SIM-Studie 2021 (Senior*innen, Information, Medien) (2022)

Die Daten der DIVSI Ü60-Studie: Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland stammen bereits aus 2016. Im März 2022 veröffentlichte der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) Mal erstmals eine erste SIM-Studie mit Basisdaten zum aktuellen Medienumgang älterer Personen in Deutschland.

Die Studie wurde gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe Gerontologie der Universität Heidelberg und der Katholischen Hochschule Freiburg durchgeführt und ergänzt so diese Erhebung um die Perspektive der Alternsforschung.

Erste Ergebnisse der Studie wurden vorab bereits im November 2021 von Thomas Rathgeb in einem Impulsvortrag auf dem Kongress “Digital dabei - Medien im Alter selbstbestimmt nutzen“ vorgestellt:

Digital dabei | SIM-Studie

(Quelle)

“Für die repräsentative Studie zur Mediennutzung und zu gerontologischen Fragestellungen wurden im Frühjahr 2021 3.005 Personen ab 60 Jahren, ohne Altersgrenze nach oben, in Deutschland telefonisch befragt. Das Informationsverhalten der älteren Generation ist deutlich von der Sozialisation mit den klassischen Medien wie Fernsehen und Tageszeitung geprägt. Vor allem beim aktuellen Weltgeschehen oder bspw. beim Thema “Corona“, ist das Fernsehen die erste Informationsquelle, bei regionalen Themen ist hingegen die Tageszeitung wichtigste Informantin. Allerdings ist das Internet bereits eine wichtige Alternative bei der Suche nach Informationen und liegt bei allen abgefragten Themengebieten unter den Top 3 der relevanten Informationsquellen. Bei der Information zu neuen Produkten oder zu einem aktuellen persönlichen Problem ist das Internet bereits erste Priorität. Obwohl das Internet bei vielen älteren Personen bereits Teil des Alltags ist, gibt es weiterhin große Defizite und Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Geräten. Nur etwa jede vierte Person attestiert sich gute oder sehr gute Kenntnisse im Umgang mit einem Computer / Laptop oder dem Internet (je 24%), noch geringer wird die eigene Kompetenz bei Smartphone (22 %) oder Tablet (17 %) eingeschätzt. Nach Schulnoten betrachtet, geben sich die Befragten im Durchschnitt die Note 3,8 für die Smartphonekompetenz.“ (Presseinformation)

Die 92seitige Studie bringt Daten zu den Bereichen

1. Einführung und Methode, Seite 02
2. Medienausstattung und Mediennutzungszeit, Seite 06
3. Internetnutzung Seite, 15
4. Offliner*innen: Warum das Internet nicht genutzt wird, Seite 31
5. Informationsverhalten, Seite 36
6. Digitale Kompetenzen, Seite 50
6.1 Selbsteingeschätzte Kenntnisse zu Informations- und Kommunikationstechnologien
6.2 Selbstwirksamkeit in Bezug auf das Internet
7. Umgang mit Technik, Seite 59
7.1 Technikbiografie
7.2 Technikeinstellung
8. Soziale Eingebundenheit, Seite 64
8.1 Gesellschaftliche Entfremdung
8.2 Soziale Einsamkeit
8.3 Nachbarschaftliche Beziehungen und soziale Teilhabe
9. Wahrnehmung von Alter und Gesundheit, Seite 70
9.1 Wahrnehmung des eigenen Älterwerdens
9.2 Gesundheit und körperliche Einschränkungen
9.3 Lebenszufriedenheit

Einige Zitate:

“... besitzen Ältere ein vielfältiges Medienrepertoire: In allen Haushalten ist ein Fernsehgerät vorhanden, auch ein Radiogerät (nicht Autoradio) gehört mit 91 Prozent bei fast allen zur Grundausstattung. Ferner haben 83 Prozent einen Internetanschluss, mit 78 Prozent verfügen die Meisten auch über ein drahtloses, lokales Netzwerk (W-LAN).
Im Besitz eines Computers (PC/Laptop/Notebook/Netbook) sind drei Viertel der Haushalte (77 %). Ein Smartphone mit umfangreichen Computer-Funktionalitäten ist bei 72 Prozent der Haushalte vorhanden ...“ (S.7)

Es “zeigt sich, dass neun von zehn Mehrpersonenhaushalten online sind aber nur 71 Prozent der Alleinlebenden. Die Anschlussrate ist in den alten Bundesländern mit 86 Prozent höher als in den neuen Bundesländern (74 %). Auch mit zunehmendem Bildungsgrad sowie der Berufstätigkeit steigt die Verfügbarkeit eines Internetanschlusses im Haushalt.
Deutliche Unterschiede zeigen sich beim verfügbaren Einkommen: nur sechs von zehn Personen mit einem verfügbaren Nettoeinkommen unter 1.000 Euro sind online. Bei Personen, die über 2.000 Euro zur Verfügung haben, sind es 94 Prozent. (S. 9)

“Fernsehen hat im Alltag älterer Personen einen festen Platz, jede zehnte Person verbringt nach eigenen Angaben täglich sechs Stunden und mehr vor dem Fernseher, mehr als jede/-r Vierte (28 %) immerhin noch zwischen vier und sechs Stunden. Nach eigenen Angaben der Befragten wird im Durchschnitt 217 Minuten pro Tag ferngesehen.“ (S. 13)

“93 Prozent der Personen ab 60 Jahren mit Abitur oder Studium sind online, 88 Prozent mit weiterführenden Schulabschlüssen, aber lediglich 73 Prozent der Personen mit einem Volks- oder Hauptschulabschluss.“ (S. 15)

“Neben dem Bildungsgrad hat auch das Einkommen deutliche Auswirkungen auf die Größe des Nutzerkreises und die Häufigkeit der Onlinenutzung.“ (S. 16)

“Die wichtigsten Onlineaktivitäten sind die Gewinnung von Informationen im Netz sowie der Austausch von Informationen, kurz: Kommunikation.
Mindestens einmal in der Woche nutzen 81 Prozent der Onliner*innen Suchmaschinen, 75 Prozent WhatsApp oder andere Nachrichtendienste, 70 Prozent schreiben oder empfangen E-Mails und 68 Prozent informieren sich im Internet über Nachrichten/Aktuelles.“ (S. 20)

“Vier Fünftel (81 %) aller Befragten geben an, dass sie mindestens einmal in der Woche eine Suchmaschine nutzen.“ (S. 22)

“55 Prozent nutzen zumindest selten Wikipedia und Co. für Recherchen im Internet, 31 Prozent sogar mindestens einmal in der Woche.“ (S. 24)

“Instant Messenger spielen auch bei Personen ab 60 Jahren eine große Rolle bei der Internetnutzung. Vier Fünftel (79 %) der Onliner*innen nutzen diese Dienste zumindest selten. Ein Großteil davon hat die Nutzung von Messengern dann auch in den Alltag integriert, zwei Drittel der Onliner*innen (64 %) nutzen täglich Nachrichtendienste wie WhatsApp.“ (S. 24)

“Auf die Frage, warum sie das Internet nicht nutzen, antwortet mit 88 Prozent ein Großteil der Offliner*innen, dass ihnen die Informations- und Unterhaltungsangebote von Presse, Radio und Fernsehen ausreichen.“ (S. 32)

“So gut wie alle informieren sich zum aktuellen Weltgeschehen und zum Regionalgeschehen.“ (S. 36)

“Die Befunde zur Nutzung von Informationsquellen verdeutlichen, dass ältere Menschen in einer ausgeprägt medialen Alltagswelt leben; Fernsehen, Internet, Radio und Tageszeitung dominieren das Informationsverhalten, während personenbezogene Quellen zu keinem der abgefragten Themen die oberste Priorität darstellen.“ (S. 48)

“Ein Großteil der älteren Personen fühlt sich aufgrund des eigenen Älterwerdens nicht abhängig von anderen (87 %) oder nimmt keine Einschränkungen bei der geistigen Leistungsfähigkeit wahr (81 %). Auch die Selbstmotivation und der Eigenantrieb wird von den meisten als nicht beeinträchtigt erlebt (74 %) und knapp zwei Drittel haben auch nicht das Gefühl weniger Energie aufgrund des Alters zur Verfügung zu haben (62 %).“ (S. 71)

“Die Befunde zeigen auf, dass unter den befragten Personen ab 60 Jahren eine insgesamt hohe Lebenszufriedenheit besteht; zwei Drittel bewerten ihre Lebenssituation als sehr gut (23 %) oder gut (41 %) und lediglich drei Prozent als schlecht und ein Prozent als sehr schlecht. Dabei finden sich kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen.“ (S. 74)

Die komplette Studie kann kostenfrei als PDF-Datei herunter geladen werden.