Mediennutzung bei 14- bis 29-Jährigen -
annotierte Daten aus der Langzeitstudie Massenkommunikation 2015

In den letzten Monaten wurden in den Media Perspektiven bereits einige Ergebnisse der elften Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation 2015 (1) publiziert. Unter dem Titel "Mediennutzung junger Menschen im Langzeitvergleich" werden im neuen Heft 2/2016 Ergebnisse für die 14- bis 29-Jährigen referiert. Dabei wird leider ohne Altersdifferenzierung nur die gesamte Altersgruppe betrachtet. Zusammen mit den bereits in Heft 12/2015 berichteten Daten ("Parallele Mediennutzung stagniert") ergeben sich jedoch einige deutliche Aussagen.

Die Behauptung, Parallelnutzung von Medien sei typisch für Jugendliche, muss differenziert werden:

Richtig ist, dass bei den 14- bis 29-Jährigen der Anteil der parallelen Nutzung am höchsten ist, aber er beträgt "nur" 11% - gegenüber 9% in der Gesamtheit der befragten Personen. Insgesamt "verwenden Jüngere und höher Gebildete Medien stärker parallel als Ältere und Menschen mit einfachem Bildungsabschluss" – aber auch hier nur mit geringen prozentualen Unterschieden.

Auch die Aussage, die von Jugendlichen für Mediennutzung aufgewendete Zeit sei besonders hoch, muss differenziert werden.

Richtig ist diese Aussage bezüglich ihrer hohen Nutzung des Internets: Sie sind pro Tag 187 Minuten online, also 80 Min. länger als die Durchschnittsbevölkerung ab 14 Jahren (107 Min.).

Richtig ist auch, dass ihre gesamte Mediennutzung sehr hoch ist – allerdings nur fast so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Sie beträgt (einschließlich der Parallelnutzung) pro Tag 561 Min. und damit 5 Min. weniger als in der Gesamtbevölkerung. Ihre Mediennutzung ist – wie in allen anderen Altersgruppen - in fast alle Situationen und Tätigkeiten des Alltags integriert.

Die darin enthaltenen tagesaktuellen Medien (Fernsehen, Radio, Tageszeitung, Internet) nutzten sie 7 Stunden und 57 Minuten, etwa eine halbe Stunde weniger als die Gesamtbevölkerung. Bei einzelner Betrachtung zeigt sich, dass sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Fernsehen (144 Min. gegenüber 208 Min.), Radio (137 Min. gegenüber 173 Min.) und Zeitung (9 Min. gegenüber 23 Min.) weit unterdurchschnittlich nutzen.

Wichtigster Internetzugang ist bei ihnen das Smartphone mit einer Nutzungsdauer von 82 Minuten.

Die Tagesreichweite des Fernsehens ist bei ihnen von 83 Prozent im Jahr 2000 auf 67 Prozent in 2015 gefallen. Bei der (gedruckten) Tageszeitung ist sie von 36 Prozent auf 15 Prozent gesunken, bei Zeitschriften von 12 Prozent auf 4. Bei Büchern bleibt sie stabil: 18 Prozent im Jahr 2000 und 19 Prozent im Jahr 2015.

Die gesamte erfragte Zeit für Onlinenutzung unter Mediennutzung zu subsumieren ist problematisch. Sie verfälscht auch die Nutzungszeitvergleiche zu den Vorgängerstudien.

Die 187 Min. Onlinenutzung bei den 14- bis 29-Jährigen bestehen "aus einem Viertel medialer (48 Min.) und drei Vierteln nichtmedialer Nutzung (Kommunikation, Suche, Onlineshopping etc.: 139 Min.)" Diese methodisch schwierige Differenzierung ist sicher hilfreich für einen besseren ersten Einblick. Die 139 Min "nichtmedialer Nutzung" dann aber in der Studie doch im Kontext Massenkommunikation einfach weiter einzubeziehen finde ich diskussionswürdig. Die folgende wichtige Aussage wäre dementsprechend unter Einbeziehung der in der Studie veröffentlichten Daten kritisch zu diskutieren: „Knappe neuneinhalb Stunden Mediennutzung täglich sind in den Alltag der jungen Menschen eingebunden, ein Mehrfaches des Zeitbudgets des Jahres 1970. Bis 2000 wurde dieser Anstieg durch die klassischen elektronischen Medien bestimmt, seither durch das Internet.“

(1) in der repräsentativen Bevölkerungsumfrage wurden insgesamt 4 300 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in Telefoninterviews (CATI) befragt. Weitere Informationen zur Methode der Studie: Engel, Bernhard, Massenkommunikation 2015 – Vorüberlegungen und Methode
ARD/ZDF-Langzeitstudie, in: Media Perspektiven 7-8/2015, S. 342-351

Quellen:

Sabine Feierabend/Walter Klingler/Irina Turecek, Mediennutzung junger Menschen im Langzeitvergleich - Nutzungsmuster 14- bis 29-Jähriger auf Basis der Studie Massenkommunikation, > Media Perspektiven 2/2016, S. 120-128

Stefanie Best/Marlene Handel, Parallele Mediennutzung stagniert - Ergebnisse der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation, Media Perspektiven 12/2015, S. 542-563